Zöliakie / Glutenunverträglichkeit /Sprue

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Was ist Zöliakie ?

Die Zöliakie ist eine Überempfindlichkeit gegen Gluten, dem sogenannten Klebereiweiß.
Sie wird auch Glutenunverträglichkeit, Sprue oder glutensensitive Enteropathie genannt.

Gluten ist Bestandteil der meisten Getreidesorten. Vor allem findet man es in Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste und Hafer. Diese teilweise genetisch bedingte Erkrankung ist chronisch und betrifft die Dünndarmschleimhaut.

Die Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung, bei denen sich das Immunsystem gegen körpereigene Gewebe richtet.

Die Zöliakie ist in den meisten Industrieländern eine der häufigsten lebenslangen Erkrankungen.


Was passiert bei der Zöliakie ?

Der Dünndarm nimmt die Nahrung über die Darmschleimhaut auf und zerlegt diese in ihre Bestandteile. Um die Zufuhr von Nährstoffen möglichst gut aufnehmen zu können, besitzt der Darm sogenannte Darmzotten, die die Aufnahmefläche vervielfachen.

Bei an Zöliakie Erkrankten entzündet sich die Darmschleimhaut des Dünndarms durch die glutenhaltige Nahrung. Die Darmzotten bilden sich immer weiter zurück. Nährstoffe können dadurch nur schlecht aufgenommen werden und Lebensmittel bleiben unverdaut im Darm.

Abbildung der Darmzotten
Diagram zur Veranschaulichung der verschieden Stadien (Marsh-Kriterien) einer Zöliakie - Quelle: Wikipedia.de


Formen der Zöliakie

Die Medizin unterscheidet verschiedene Formen der Zöliakie

Die typische (klassische) Zöliakie

weist typische Symptome auf und tritt meist im Kindesalter auf.

Die untypische Zöliakie (oligosymptomatische Zöliakie)

ist eine Zöliakie mit wenigen versteckten Symptomen

Die untypische Zöliakie tritt in der Regel erst bei älteren Kinder und Erwachsenen auf.

Silente Zöliakie (leise, schleichende Zöliakie)

Die Silente Zöliakie ist eine Form, bei denen Betroffene keine oder nur ganz diskrete Symptome aufweisen. Sie wird auch schleichende oder leise Zöliakie genannt.

Die Betroffenen tragen positive Antikörper in sich, die im Blut nachweisbar sind. Auch die Schleimhaut (Mucosa) des Darmes ist verändert. Die Darmzotten beginnen sich zurückzubilden.

Sie wird zumeist entdeckt durch

  • eine Antikörper-Blutuntersuchung bei den Risikogruppen Diabetes mellitus Typ 1 , dem Down-Syndrom oder bei einem familiären Auftreten von Zöliakie oder
  • zufällig im Rahmen einer serologischen Untersuchung, die die Präsenz von positiven Antikörpern nachweist.

Oft sind die Symptome nur scheinbar versteckt, da nach Beginn der glutenfreien Ernährung eine Verbesserung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit und des Wohlbefindens beobachtet wurde.1

Potentielle oder latente Zöliakie

Als potentielle oder latente (versteckte) Zöliakie werden jene Fälle bezeichnet, bei denen positive Merkmale im Blut festgestellt werden. Bei Betroffenen dieser Form der Zöliakie, können sich im Dünndarm Schäden entwickeln, wenn sie sich nicht glutenfrei ernähren.

So können zu einem späteren Zeitpunkt Krankheiten der Schleimhaut von Magen- und Darmtrakt (Enteropathie) entwickeln und/oder bösartige Veränderungen des lymphatischen Systems (malignes Lymphom) entstehen. 2


Symptome, Beschwerden und Merkmale der Zöliakie

Die klassischen Symptome, Beschwerden der Zöliakie sind:

  • Erbrechen
  • Durchfall
  • Gewichtsabnahme
  • Appetitlosigkeit
  • Müdigkeit
  • Agressionen / Depressionen
  • Entwicklungsstörung bei Kindern
  • geringe Muskelstärke (muskuläre Hypotonie)
  • klebriger fettglänzender Stuhl

Außerdem besteht eine erhöhte Gefahr an Lymphdrüsen-Krebs und vermutlich auch an Darmkrebs zu erkranken, wenn die Zöliakie nicht therapiert wird.

Als Folge der schlechte Aufnahme der Nährstoffe durch den Darm (Malabsorption) kann es außerdem zu:

  • Eisenmangel
  • Vitaminmangel
  • einer verminderten Konzentration des Gesamteiweißes im Blut (Hypoproteinämie)
  • Nebenschilddrüsenerkrankung (Hyperparathyreoidismus) und
  • selten zu leicht brüchigen Knochen (Osteoporose) kommen. 1

Weitere Syptome (der untypischen Zöliakie-Form):

  • Blutarmut (Anämie) und/oder Blässe
  • Verstopfung des Darmes (Opstination)
  • Zahnschmelzdefekte
  • kleine, entzündete Bereiche im Mund (Apthen)
  • Knochen- bzw. Gelenkschmerzen
  • Gelenkentzündungen
  • Verringerung des Kalkgehaltes der Knochen (Osteopenie)
  • Verhaltensauffälligkeiten
  • Nagelauffälligkeiten
  • Lippenentzündung (Cheilitis)
  • Wachstumsstörungen im Schulalter
  • Bläschen, Rötungen, Ekzeme der Haut (Dermatitis Herpetiformis Duhring)
  • eine verzögerte Pubertät bei Kindern
  • Konzentrationsstörungen
  • Haarausfall (Alopezie)
  • Depressionen
  • Atemwegsinfekte oder
  • Hepatitis
  • Unfruchtbarkeit (bei Frauen)
  • Häufung von Frühgeburten

Ursachen der Zöliakie

Zöliakie ist eine komplexes Krankheitsbild, das durch genetische und äussere (exogene) Faktoren verursacht wird.

Genetische Faktoren

Dass auch genetische Faktoren mitspielen, wird dadurch bestätigt, dass bei Verwandten ersten Grades eine zehnfach höhere Zöliakierate beobachtet wird im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung.

Die zahlreichen Gene, die die erbliche Veranlagung steuern, sind jedoch noch nicht im bis ins Detail erforscht. Wichtig unter diesen sind einige Faktoren des HLA-Systems, einem Genkomplex, dessen Aufgabe es ist, körperfremde Moleküle zu erkennen. Bei den meisten Zöliakiebetroffenen (mindestens 95 %) werden die so genannten Genotypen HLA-DQ2 bzw. DQ8 festgestellt. Die HLA-DQ2/DQ8 sind zwar notwendig, damit sich die Krankheit entwickeln kann, doch sind sie nicht alleine dafür verantwortlich, da dieselben genetischen Faktoren wurden auch bei einer großen Anzahl von gesunden Menschen (20-30 % der allgemeinen Bevölkerung) beobachtet.

Exogener Faktor

Gesichert kennt man heute als äusseren Faktor, der zur Erkrankung an Zöliakie führt, den Glutengehalt in der täglichen Ernährung des modernen Menschen.

Vermutet wird darüber hinaus, dass schwere Magen-Darm-Infektionen die Unverträglichkeit auslösen.


Häufigkeit der Zöliakie

Die Anzahl der diagnostizierten Zöliakie-Erkrankten hat sich über die letzten Jahre deutlich erhöht (in Europa ist in den vergangenen 40 Jahren von 0,8/100 000 auf 9,4/100 0001). Dies begründet sich nach dem sogenannten „Eisbergphänomen“ darin, dass immer mehr aktive Zöliakie-Erkrankungen aufgrund der verbesserten Screening-Methoden (Untersuchung von zöliakiespezifischen Antikörpern im Blut) erkannt werden. Zudem ist sie auf die weiter gehende Erfassung von Patienten (silente und latente Zöliakie) zurückzuführen.

Das Eisbergphänomen; Keller, Monatschrift Kinderheilkunde 2003 Band 151


Begleiterkrankungen

Die häufigste Begleiterkrankung einer Zöliakie ist der Diabetes mellitus Typ 1, bei dem Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet werden. Etwa fünf bis zehn Prozent aller Personen mit Zöliakie sind auch an einem Typ-1-Diabetes erkrankt und umgekehrt ebenso etwa der gleiche Anteil Typ-1-Diabetiker an einer Zöliakie.

Auch für eine entzündliche Erkrankung der Schilddrüse, die Hashimoto-Thyreoiditis, die ebenfalls als Autoimmunerkrankung gilt, wurde ein wechselseitig gehäuftes Auftreten zusammen mit einer Zöliakie beschrieben 3.


Diagnose von Zöliakie (Sprue)

Eine serologische Untersuchungen des Blutes und eine die Entnahme einer Gewebeprobe aus dem Dünndarm (Dünndarmbiopsie) schaffen Klarheit.

Wichtig ist, dass sowohl die serologischen Untersuchungen als auch die Dünndarmbiopsie VOR Beginn einer glutenfreien Ernährung durchgeführt werden.

In der Regel wird die (Vor)Geschichte des Patienten und das Beschwerdebild zu Beginn der Behandlung in einem Gespräch mit dem Arzt genau ermittelt und analysiert (Anamnese).

Serologische Untersuchungen (Serologie)

In der Diagnostik der Zöliakie hat diie Bestimmung der Antikörper eine große Bedeutung. Folgende Antikörper sollten bestimmt werden:

  • Antigliadinantikörper IGA und IGG (AGA IGA und AGA IGG)
  • Anitendomysiumantikörper (EMA)
  • Antitransglutaminaseantikörper (tTG)

Routinemäßig sollte auch immer das Gesamt-IgA bestimmt werden, da ein IgA-Mangel bei Zöliakiepatienten gehäuft (3-11%) vorkommt. Liegt ein IgA-Mangel vor, ist die serologische Diagnostik der IgA-Antikörper nicht verwertbar.

Dünndarmbiopsie (Histologie)

Die Dünndarmbiopsie ist ein weiteres zentrales Element und Standard in der Zöliakiediagnostik. Sie ist zu einer eindeutigen Diagnosestellung unbedingt erforderlich.

Typische Diagnosen der Zöliakie

  • erhöhte Anzahl der intraepithelialen Lymphozyten (IEL)
  • Hypertrophie/ Hyperplasie und Verlängerung der Krypten
  • Verkürzung / Reduktion bis hin zum völligen Fehlen der Dünndarmzotten

Nach der Diagnose der Zöliakie

Nachdem die Diagnose Zöliakie feststeht, wird eine glutenfreie Diät verordnet. In der weiteren Behandlung wird dann eine Besserung der Symptome und ein Ansprechen der Antikörper auf die glutenfreie Ernährung beobachtet und evtl. weitere Maßnahmen getroffen.

Regelmäßige Folgeuntersuchungen sind empfehlenswert

  • 3 Monate und 1 Jahr nach der Diagnosestellung
  • jährlich ein Leben lang

Die jährlichen Kontrolluntersuchungen werden empfohlen, um Mangelerscheinungen und Komplikationen der Zöliakie auszuschließen.

Außerdem sollten jährlich die tTG-Antikörper zur Bestätigung der Therapietreue bzw. dem konsequentem Befolgen der Zölikie-Diät (Diät-Komplianz) bestimmt werden.

Negative tTG-Antikörper weisen auf eine gute Einhlatung der Diät durch den Patienten hin.

Eine erneute Dünndarmbiopsie zur Verlaufskontrolle wird bei gutem Ansprechen auf eine glutenfreie Ernährung nur in Ausnahmefällen empfohlen.



Abb.: U. Wahnschaffe et al.: Diagnostik der Sprue. Dtsch Med Wochenschr (2001) 126: 638-642


Wie behandelt man Zöliakie?

Glutenfreie Diät / Zöliakie Diät

Bei einer diagnostizierten aktiven Zöliakie ist auf eine strenge glutenfreie Diät zu achten. Glutenhaltige Lebensmittel dürfen nicht mehr verzehrt werden. Mögliche Glutenfreie Ersatz-Lebensmittel entnehmen Sie bitte der Tabelle. Glutenfreie Rezepte finden Sie auf unserer Seite.

Kontrollierter Test

Da es auch vorübergehende (transiente) Formen der Glutenunverträglichkeit gibt hat sich folgende Vorgehensweise etabliert:

Betroffene, die einige Jahre unter Diät Antikörper-negativ und symptomlos sind, wird gezielt mit einem Gliadin-Präparat eine kontrollierte Menge Gluten zugeführt.

Bleibt der Patient symptomfrei und Antikörper-negativ, so ist der Nachweis der vorübergehenden Form gegeben. In den meisten Fällen bilden sich jedoch die Symptome wieder aus und der Körper produziert Antikörper 2.


Glutengehalt von Lebensmitteln

VERORDNUNG (EG) Nr. 41/2009 DER KOMMISSION vom 20. Januar 2009 zur Zusammensetzung und Kennzeichnung von Lebensmitteln, die für Menschen mit einer Glutenunverträglichkeit geeignet sind. Die Verordnung gilt ab Januar 2012.

Als glutenfrei gilt ein Lebensmittel mit max 20 ppm (2mg/100g) Gluten 4. Lebensmittel mit 21-100ppm (2,1-10mg/100g) dürfen nicht mehr als glutenfrei gekennzeichnet werden!

Diese standardisierte Kennzeichnung von Lebensmitteln soll dem Verbraucher ordnungsgemäß ausgezeichnete Waren garantieren.

Die Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V. bringt jährlich eine aktuelle Liste mit glutenfreien Lebensmitteln heraus. Erkundigen Sie sich dort gern direkt.

Lebensmittel ohne Gluten

Die folgenden Lebensmittel sind im unverarbeiteten Zustand glutenfrei: 4

Obst und Gemüsesorten

  • Kartoffeln, Salate
  • Milch, Naturjogurt
  • Buttermilch, Quark
  • Butter, Frischkäse natur
  • Naturkäse
  • Pflanzenöle
  • Fleisch
  • Fisch und Meeresfrüchte
  • Zucker
  • Honig, Konfitüre, Marmelade, Ahornsirup
  • Nüsse
  • Hülsenfrüchte
  • reine Gewürze u. Kräuter
  • Eier

Und diese verarbeiteten Lebensmittel sind glutenfrei:

  • Tofu, Sojamilch
  • Mozarella in Salzlake
  • reine Fruchtsäfte, Wasser
  • Wein, Sekt

Glutenfrei sind auch die folgenden Getreide: 4

  • Reis, Mais, Wildreis
  • Hirse, Buchweizen
  • Amaranth, Quinoa

Lebensmittel mit (verstecktem) Gluten

Vorsicht ist geboten bei Fertigprodukten, die oft Mehl, Weizenstärke, Weizenkleie oder auch direkt Gluten als Bindemittel enthalten, wie z.B.:

  • gebundenen Saucen
  • Suppen
  • Fertiggerichten
  • Pudding
  • Pommes Frites
  • Kroketten
  • Kartoffelpuffer
  • Wurst, Würstchen
  • Frischkäsezubereitungen mit Kräutern
  • Eis
  • Nuss-Nougat-Cremes
  • Milchprodukten m. Frucht
  • fettreduzierten Produkten
  • Chips, Flips & Co
  • Ketchup, Senf usw.
  • Schokolade
  • Gewürzmischungen


1.) Brunner D, Spalinger J: Zöliakie im Kindesalter. Paediatrica (2005) 16: 34–7
2.) Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V
3.) wikipedia.de
4.) Deutsche Zöliakie Gesellschaft e.V.