Fructose-Unverträglichkeiten:
Fructosemalabsorption & Fructoseintoleranz
Es gibt zwei Formen der Fructose-Unverträglichkeit:
- die viel seltenere hereditäre (d.h. angeborene) Fructose-Intoleranz und
- die Fructosemalabsorption
Diese Begrifflichkeiten werden häufig synonym benutzt. Dies ist jedoch falsch. Zwischen diesen beiden Krankheiten muss streng unterschieden werden.
1) hereditäre (angeborene) Fructoseintoleranz (seltene Form)
Liegt diese angeborene Fructose-Intoleranz vor, so leidet der Betroffene bereits im Säuglingsalter. Bei dieser Form der Fructose-Unverträglichkeit handelt es sich um einen angeborenen Enzymdefekt. Bereits die Aufnahme kleinster Mengen an Fructose führen zur Anreicherung der Fructose in der Leber und es kommt zu Schockzuständen. Auf den Verzehr von fructosehaltigen Lebensmitteln muss bei der hereditären (angeborenen) Fructose-Intoleranz streng verzichtet werden. Die Erkrankung ist äußerst selten und bedarf einer strengen Diät und einer sehr genauen Beratung und Betreuung des Patienten. KochenOHNE kann daher für dieses Krankheitsbild keine passenden Rezepte liefern.
2) Fructosemalabsorption
Bei der häufiger vorkommenden Fructosemalabsorption handelt es sich um eine Störung des Fructosetransportes. Fructose ist ein Einfachzucker (Monosaccharid). Es gibt noch einen weiteren Einfachzucker und zwar den Traubenzucker. Diese Einfachzucker müssen weiter verstoffwechselt werden und somit weiter an den Darm gegeben werden. Dafür gibt es bestimmte Transporter. Im Fall der Fructose ist das der sog. „GLUT-5-Transporter“. Bei der Fructosemalabsorption sind nicht genügend von diesen „Transportern“ vorhanden. Es kann oftmals nicht die komplett verzehrte Fructose mit Hilfe des „GLUT-5-Transporter“ an den Dünndarm weitergegeben werden. Die zurückbleibende Fructose verursacht dann die Beschwerden. Die Fructosemalabsorption ist somit eine Störung des Monosaccharidtransportsystems.
Inhalt
- Was ist Fructose eigentlich?
- Was passiert im Körper bei der Fructosemalabsorption?
- Sorbit verstärkt die Beschwerden
- Sorbithaltige Lebensmittel
- Glucose wirkt positiv bei Fructosemalabsorption
- Symptome der Fructosemalabsorption
- Wie entstehen die Symptome?
- Art und Schwere der Symptome einer Fruktosemalabsoption
- Diagnose einer Fruktose-Malabsoption
- Ernährungstherapie bei einer Fuctosemalabsorption
- Verträgliche Lebensmittel bei Fructosemalabsorption
- fructosearme Rezepte
- Quellen
Was ist Fructose eigentlich?
Fructose ist Fruchtzucker. Fruchtzucker ist ein Einfachzucker (Monosaccharid). Dieser Einfachzucker kann auch bei übermäßigem Verzehr bei gesunden Personen zu Magen- und Darmproblemen führen. Fructose wird auch von einem gesunden Menschen nur sehr langsam im Darm aufgenommen.Die bedeutesten Fructosequellen sind:
- Obst
- Fruchtsäfte, Nektare
- Obstkompott, Marmelade, Konfitüre, Gelees
- Obstkonserven, Trockenfrüchte
- Erfrischungsgetränke (z.B. Limo, Cola)
- Honig
- Back- und Süßwaren, Speiseeis
- Müslis mit Trockenfrüchten, Müsliriegel
- Fruchtjoghurt, Obstquark, Grießbrei mit Früchten, rote Grütze
- Einige Gemüsesorten (z.B. Artischocken)
- Saccharose (= Haushaltszucker)
Anmerkung: Saccharose ist ein Disaccharid. Dies bedeutet sie besteht aus zwei Molekülen. Das eine Molekül ist Glucose, das andere Fructose!
Was passiert im Körper bei der Fructosemalabsorption
Nach der Nahrungsaufnahme werden Kohlenhydrate aufgespalten - zunächst in die Oligo- und Disaccharide und letztendlich in die Monosaccharide. Das Monosaccharid Glucose (Traubenzucker) wird in den oberen beiden Abschnitten des Dünndarms gänzlich aufgenommen. Der Dünndarm kann allerdings nur begrenzt Fructose aufnehmen. Auch bei einem Gesunden ist dies so. Der Transporter „GLUT-5“ sorgt dafür, dass die Fructose im Dünndarm aufgenommen wird. Dieser Transporter ist nur begrenzt vorhanden und aufnahmefähig. Bei Menschen, die unter Fructosemalabsorption leiden, sind die Grenzen der Kapazitäten noch schneller erreicht.
Sorbit verstärkt die Beschwerden
Eine gleichzeitige Aufnahme von Sorbit kann zu noch stärkeren Beschwerden führen.
Warum ist dies so? Auch der Zuckeraustauschstoff Sorbit benötigt den „GLUT-5“ als Transporter. Bei gleichzeitiger Aufnahme von Sorbit und Fructose wird der „GLUT-5“ sozusagen vom Sorbit so sehr beansprucht, dass die Aufnahme von Fructose blockiert wird. Der Zuckerausstoff Sorbit kann die Aufnahmefähigkeit der Fructose also noch stärker herabsetzen.
Sorbithaltige Lebensmittel
Sorbit ist unter anderem natürlicherweise in Rosinen, Äpfeln und Pflaumen enthalten. Künstlich hinzugefügt wird Sorbit in Kaugummis, Hustenbonbons etc. Darin liegt auch die Begründung, warum auf Bonbons gelegentlich der Hinweis aufgeführt ist: „kann im hohen Maße abführend wirken“.
Glucose wirkt positiv auf die Fructoseaufnahme
Glucose stimuliert die Aktivität des Fructosetransportproteins „GLUT-5“. Dies verhilft dazu, dass Fruchtzucker in Kombination mit dem Traubenzucker besser aufgenommen werden kann. Einige Lebensmittel enthalten Saccharose (Haushaltszucker). Saccharose ist ein Disaccharid (Zweifachzucker), welches zu gleichen Teilen aus Glucose und Fructose besteht. In einigen Früchten wie beispielsweise Mandarinen, Grapefruits, Zitronen und Bananen liegt ein ausgeglichenes Verhältnis der beiden Einfachzucker vor. Diese Früchte werden von Personen, die unter Fructosemalabsorption leiden, besser vertragen.
Symptome der Fructosemalabsorption
Typische Symptome der Fructosemalabsorption sind:
- Blähungen
- Durchfälle
- Bauchschmerzen
- Darmkrämpfe
- Druck- und Völlegefühle und
- Übelkeit.
Wie entstehen die Symptome?
Die Fructose, die im Dünndarm nicht aufgenommen werden kann, gelangt in den Dickdarm. Dort wird die Fructose bakteriell verstoffwechselt. Auf den bakteriellen Abbau der Fructose folgt die Entstehung kurzkettiger Fettsäuren. Außerdem kommt es zur gesteigerten Gasbildung (Kohlendioxid, Methan und H2) und erzeugt so die genannten Symptome.
Art und Schwere der Symptome einer Fruktosemalabsoption
Die folgenden Faktoren beeinflussen die Art und Schwere der Beschwerden:
- die Art und Anzahl der Darmbakterien,
- die Menge der verzehrten Fructose,
- das Glukose-/Fructoseverhältnis in Lebensmitteln,
- die individuelle Aufnahmekapazität (bei jedem Betroffenen unterschiedlich stark ausgeprägt)
Zusätzlich kommt es darauf an, welche weiteren Nahrungsbestandteile zusätzlich zur Fructose verzehrt wurden, so können z.B. der gleichzeitige Verzehr von Fructose und/oder Proteinen und Fetten die Verweildauer der Speisen im Dünndarm verlängern. Das wiederum hat zur Folge, dass die Fructose besser aufgenommen werden kann und die Beschwerden sich reduzieren. Als weiterer wichtiger Faktor zur besseren Aufnahme der Fructose sollte noch die Glucose (Traubenzucker) erwähnt werden. Glucose begünstigt die Fructoseaufnahme. Früchte, die mehr oder zumindest genauso viel Glucose wie Fructose enthalten, sind besser verträglich.
Diagnose der Fructosemalabsorption
Wasserstoff-Atemtest
Bei Verdacht einer Fructosemalabsorption wird zur Diagnose oft und gern der Wasserstoff-Atemtest durchgeführt:
Bei der Fructosemalabsorption entsteht nach dem Verzehr von fructosehaltigen Lebensmitteln durch den bakteriellen Abbau u.a. Wasserstoff (H2). Dieser Wasserstoff gelangt über die Blutbahn in die Lunge und schließlich in den Atem. Dieser lässt sich in der Atemluft messen.
Die Untersuchung erfolgt unter ärztlicher Aufsicht. Der Test wird nüchtern durchgeführt; dies bedeutet, die letzte Nahrungs- und Getränkeaufnahme sollte mindestens zehn Stunden zurückliegen. Ganz zu Beginn der Untersuchung wird bereits einmal der Wasserstoffgehalt im Atem des Patienten gemessen.
In den meisten Fällen werden zur Testung 25g Fruchtzucker in 250ml Wasser gelöst und vom Patienten getrunken. Bei Kindern gelten andere Mengen. Über einen Zeitraum von drei Stunden wird alle 20 Minuten die Wasserstoffkonzentration in der Atemluft gemessen und darüber hinaus werden die auftretenden Symptome dokumentiert. Dieser Test darf auf keinen Fall bei einer angeborenen Fructoseintoleranz durchgeführt werden.
In manchen Fällen besitzen die Patienten keine wasserstoffbildenen Bakterien im Dickdarm, so dass dann die methanproduzierenden Bakterien stimuliert werden. Folglich kann in der Atemluft dann auch kein Wasserstoff nachgewiesen werden, obwohl eine Fructosemalabsorption vorliegt. Zusätzlich sollte deshalb die Bestimmung der Methankonzentration in der Atemluft vom Arzt analysiert werden, um eine zuverlässigere Bewertung des Testergebnisses zu ermöglichen.
Kritik am Wasserstoff-Atemtest
Es gibt kritische Meinungen zum Wasserstoff-Atemtest, da dieses Messverfahren nicht standardisiert ist. Dies bedeutet, dass unterschiedliche Konzentrationen zur Testung benutzt werden. Dadurch können Testergebnisse untereinander nicht verglichen werden.
Und es kann unter Umständen sogar zu falsch positiven Ergebnissen kommen. Denn auch bei einem gesunden Menschen sind die GLUT-5-Transporter nicht unendlich verfügbar und weisen Kapazitätsgrenzen auf. Wird eine zu hohe Konzentration der Testlösung verabreicht, werden auch bei einem Gesunden, Beschwerden auftreten und die Wasserstoffkonzentration im Atem steigt.
7-Tage-Ernährungsprotokoll (Ernährungstagebuch führen)
Für Ernährungsfachkräfte ist die Methode des 7-Tage-Ernährungsprotokoll und Symptomprotokolls die sinnvollere, aussagekräftigere und zuverlässigere – wenn auch umständlichere – Methode, um eine Fructosemalabsorption zu diagnostizieren. Mit dieser Methode kann gleichzeitig festgestellt werden, welche Lebensmittel besser und schlechter vertragen werden und wo die individuelle Kapazitätsgrenze liegt.
Bei dieser Methode muss der Patient mindestens drei Tage – besser allerdings über 14 Tage – eine Art Ernährungstagebuch führen. In diesem Protokoll wird genauestens notiert, um welche Uhrzeit, welche Speisen und Getränke, in welcher Menge zu sich genommen wurden und wann, welche Beschwerden aufgetreten sind.
Sinnvoll ist es, dieses Protokoll mit den Angaben darüber zu ergänzen, wie die Speisen zubereitet wurden und ob eventuell Medikamente genommen wurden.
Ernährungstherapie Fructosemalabsorption
Wurde eine Fructosemalabsorption diagnostiziert, so gilt es festzustellen, welche Menge an Fructose aufgenommen werden kann, ohne dass Beschwerden auftreten.
Es gibt dabei drei Therapie-Stufen:
1. Karenzphase / Diät
Zwei bis vier Wochen muss sich der Patient einer strengen Diät unterziehen. In dieser Phase muss sich der Patient weitestgehend fructosefrei ernähren. Und er muss auf die Aufnahme von Zuckeralkoholen (wie beispielsweise Sorbit, aber auch Xylit, Mannit etc.) verzichten.
Da es so gut wie unmöglich und ernährungsphysiologisch auch nicht sinnvoll ist, sich über einen solchen Zeitraum fructosefrei in Form einer Diät zu ernähren, gibt es zwei Wege die Fructoseverarbeitung zu unterstützen. Zum einen kann gleichzeitig Traubenzucker verzehrt werden oder das fructosehaltige Lebensmittel wird mit einem eiweißreichen Lebensmittel kombiniert.
Ziel dieser Phase ist, dass der Patient möglichst keine Beschwerden mehr hat.
2. Testphase
Diese Phase kann bis zu sechs Wochen dauern.
Ziel dieser Phase ist es, dass der Patient wieder eine größere Lebensmittelauswahl zur Verfügung hat und geringfügig auch den Fructoseverzehr steigern kann.
Dabei sollten fructosehaltige Speisen nicht untereinander kombiniert werden, denn so würde sich die Fructoseaufnahme insgesamt summieren. Außerdem muss die gleichzeitige Aufnahme von Traubenzucker/Eiweiß weiterhin beachtet werden, um die Verträglichkeit der aufgenommenen Fructose zu gewährleisten! Die Anhebung der Fett- und Proteinmenge verbessert die Aufnahme der Fructose im Dünndarm.
In dieser zweiten Phase ist es wichtig wieder verschiedene Obstsorten in die Lebensmittelauswahl aufzunehmen. Der bisherige strenge Diätplan wird etwas gelockert. Allerdings sollten weiterhin Lebensmittel gemieden werden, die Sorbit, Xylit und Mannit enthalten. Am Ende der Phase sollte bekannt sein, wo sich die individuelle Fructosevertäglichkeitsgrenze befindet.
3. tägliche Ernährung bei Fructosemalabsorption
Ein Fructosemalabsorber sollte sich auf jeden Fall dauerhaft so ernähren, dass er beschwerdefrei leben kann und nicht mehr unter den Symptomen einer Fructosemalabsorption leidet.
Die Obstauswahl sollte so gewählt werden, dass deren Fructosegehalt im tolerablen Bereich liegt, aber trotzdem der Nährstoffbedarf gedeckt wird. Die dauerhafte Ernährung sollte ganz individuell gestaltet sein.
Hinweis: Ein ständiger Verzicht auf Fructose darf ausdrücklich nicht Ziel sein!
- Denn 1. kann es passieren, dass durch die fehlende Stimulation, der „GLUT-5“-Transporter eingeschränkt bleibt oder sogar noch weiter „verkümmert“.
- Und 2. wichtige Vitamine und andere essentielle Nährstoffe fehlen und es somit zu Nährstoffdefiziten kommt.
Ganz wichtig ist es auch, in regelmäßigen Abständen die individuellen Toleranzgrenzen auszutesten, denn diese ändern sich oftmals.
Verträgliche Lebensmittel bei Fructosemalabsorption
Lebensmittel, die in der Regel gut verträglich sind, da sie fructosearm sind oder ein gutes Glucose-/Fructoseverhältnis haben:
- Gemüse (z.B. Gurke, Tomate, Möhre)
- Avocados, Bananen
- Getreideprodukte (z.B. Brot, Haferflocken)
- Milch und Milchprodukte ohne Zusätze (z.B. Naturjoghurt, Quark, Käse)
- Eier
- Fleisch, Wurst, Fisch
- Nüsse, Samen
Hier finden Sie fructosearme Rezepte auf KochenOhne
Quellen
• DGE (Hg): Essen und Trinken bei Fructosemalabsorption. DGE-Infothek. Bonn 2008
• Schäfer, Christiane; Constien, Anja; Dr. Reese, Imke (2007): Praxisbuch Lebensmittelallergie. Der sichere Weg zur richtigen Diagnose und optimalen Therapie bei Allergien und Unverträglichkeiten. München: Südwest.
• Anne Kamp (2008): Fructosemalabsorption und Sorbitunverträglichkeit. Mitteilung des VDD. In: Ernährungs Umschau (10/08), S. 627–629
• Christiane Schäfer (2009): Fructose: Malabsorption oder Intoleranz? Strategien für die Ernährungstherapie. In: Ernährungs Umschau (12/09), S. 694–700. Online verfügbar unter http://www.ernaehrungs-umschau.de/media/pdf/pfd_2009/12_09/EU12_694_700.qxd.pdf
• Christiane Schäfer et al (2010): Fructosemalabsorption. Stellungnahme der AG Nahrungsmittelallergie in der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinischen Immunologie (DGAKI). Positionspapier. In: Allergo Journal (Heft 1), S. 66–69. Online verfügbar unter http://dgaki.de/wp-content/uploads/2010/05/StellungnahmeFructosemalabsorption2010.pdf
• Fachgesellschaft für Ernährungstherapie und Prävention (FET) e.V. (Hg): Fruktose und Fruktosemalabsorption. Aachen 2009
• M. Ledochowski; B. Widner; D. Fuchs (2000): Fructosemalabsorption. In: Journal für Ernährungsmedizin (03/2000), S. 10–14. Online verfügbar unter http://www.kup.at/kup/pdf/305.pdf
• M. Ledochowski; H. Bair; V. Gufler (2005): Fructosemalabsorption. In: Ernährung/Nutrition (Vol 29/Nr. 4), S. 157–165.
• Susanne Koch (2007): Fructosemalabsorption – eine neue Herausforderung für die Ernährungsberatung. In: Nutrition Letter (Ausgabe 11). Online verfügbar unter http://www.ernaehrungs-forum.com/Assets/Pdfs/archiv/nutri11.pdf
• Deutscher Allergie- und Asthmabund (DAAB ) e.V. http://www.daab.de
• www.nahrungsmittel-intoleranz.com
• http://www.fructoseintoleranz.de
